Historisches

Wenngleich der Quilt nahezu in jeder Kultur beheimatet ist, kommt doch den nordamerikanischen Siedlerfrauen des 19. Jahrhunderts der Ruhm zu, die vielfältigste Patchworktradition begründet zu haben. Nicht ein genialer Gedankenblitz konnte der Ursprung dieses heute noch so beliebten Kunsthandwerks sein, vielmehr sind die Wurzeln dieser Tradition weit verzweigt. Sie liegen in den vielfältigsten Erscheinungen kultureller, sozialer und industrieller Art begründet.

Patchwork ist ursprünglich nichts anderes, als das aneinander- und Aufeinandernähen von Stoffstücken. Zum Ende des 19. Jahrhunderts bürgerte sich auch der Begriff Mosaikarbeit ein, nicht zuletzt um den Unterschied zur Applikationstechnik deutlich zu machen. Im Englischen umfaßt die Definition „Patchwork“ die Technik des „Pieced Work“, also der zusammengesetzten Arbeit sowie der Applikation.

Als das älteste erhaltene Beispiel antiken Patchworks wird allgemein eine ägyptische Baldachindecke aus dem Jahre 980 v.Chr. angesehen. Teilweise stark beschädigt, wird diese Decke heute im ägyptischen Museum Kairo aufbewahrt.

Für die Einführung der Patchwork- und Applikationstechniken in Europa müssen die Kreuzritter verantwortlich gemacht werden. Ihre Umhänge, Banner und Standarten waren vornehmlich mit applizierten, heraldischen Motiven geschmückt

Die rührenden Geschichten über das harte Leben der ersten Siedler auf dem neuen Kontinent, die in den meisten Büchern über Patchworkquillts erzählt werden, sollen an dieser Stelle durch einen kurzen Einblick in die historischen Umstände der ersten Besiedlung der Ostküste Nordamerikas ersetzt werden: Das 16. Jhr. war für England ein Zeitalter großer sozialer Umschichtung. Die Macht der feudalen Kreise war gebrochen, Bauern verloren ihre Abhängigkeit – und oft auch ihr Land. In den Städten, allen voran London, entwickelte sich ein reiches Bürgertum, das auch bei der Staatsführung ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Die Bevölkerungsschichten, die eine Besiedlung des neuen Kontinents vorantrieben, waren kapitalkräftige, auch in Verwaltungsfragen erfahrene Kaufleute und Grundbesitzer sowie Handwerker und von ihren Ländereien vertriebene Bauern. Sie alle waren auf der Suche nach neuen Existensmöglichkeiten. Neben den wirtschaftlichen Gründen spielte auch der politische Ehrgeiz, vor allem gegen das ständig bekämpfte Spanien eine neue, festere Position zu beziehen, eine große Rolle bei der Besiedlung Nordamerikas.

Ägyptische Baldachindecke aus Gazellenleder

Um 980 v. Chr.

Wgyptian Museum, Kairo

 

Kämpfende Ritter in patchwork- und Applikationsverzierten Gewändern.

Frühes 14. Jhr.

Universitätsbibliothek Heidelberg

Dort wurden dann die einfachsten Quilts, auch „Comforter“ genannt, ausschließlich aus den Resten alter Kleidung genäht. Ihre Oberseite wurde aus geometrischen Formen, meistens Rechtecken und Quadraten, zusammengesetzt. Als reine Gebrauchsgegenstände waren sie relativ schnell herzustellen, jedoch auch nur von kurzer Lebensdauer.

Dort wurden dann die einfachsten Quilts, auch „Comforter“ genannt, ausschließlich aus den Resten alter Kleidung genäht. Ihre Oberseite wurde aus geometrischen Formen, meistens Rechtecken und Quadraten, zusammengesetzt. Als reine Gebrauchsgegenstände waren sie relativ schnell herzustellen, jedoch auch nur von kurzer Lebensdauer.

Die Höhepunkte der nordamerikanischen Patchworkquilt-Traditionen liegen zweifellos in der 2. Hälfte des 19. Und in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jhr.. Als eine Spielart der Volkskunst hielten sie ihrer Zeit den Spiegel vor: Die Lebenssituation der Menschen, die sie schufen, regionale, religiöse und ethnische Bindungen, Normen und Moden, fanden ihren Ausdruck in diesen Quilts.

Konsequent erscheint dagegen der zeitgemäße Versuch, die alte Technik zu bentzen, um neue Wege zu einer modernen Interpretation zu finden. Das Originelle, keine Experimente scheuende, das, sich selbst genug, dem Nützlichkeitsanspruch nicht mehr gerecht zu werden braucht, stellt sich als eigenständige Neuschöpfung dar.

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